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Geschichte 5 Der Duft nach Brot, Proja und frittierten Teigtaschen – „das macht das Leben aus“

31.07.2025 by slrastoke

Marija Štefanac, geborene Kovačević, wurde am 1. Dezember 1930 in Slunj geboren. Eine Zeit lang arbeitete sie in der Schulküche und war zudem als Müllerin tätig. Acht Jahrzehnte lang sang sie im Kirchenchor.

„Früher waren Frauen nicht berufstätig, sie arbeiteten ausschließlich zu Hause“, erklärt Marija und fährt fort: „Frauen erledigten die gesamte Arbeit: Sie pflügten, versorgten die Schweine und kümmerten sich um die Kühe. Neben ihrer ganzen Arbeit und den Kindern kümmerten sich einige Frauen sogar noch um die Mühle. Ich war selbst Müllerin. Uns fiel nichts schwer und wir bekamen alles hin. So war der Lauf der Dinge, es war unvermeidlich, wir hatten uns daran gewöhnt. Es war schwer. Die Säcke musste man vom Wagen abladen, ziehen und dann nach oben in den Trichter kippen und dann wieder mit den Müllern den Sack auf den Wagen ziehen. Keine leichte Aufgabe, besonders nicht für Frauen. Man musste die Mühlsteine schärfen und tausend andere Dinge erledigen – es war nicht leicht. Mein Mann war berufstätig. Ich war zu Hause und arbeitete in der Mühle, während die Kinder noch klein waren. Die Kinder mussten zur Schule gehen und halfen nur wenig in der Mühle mit. Alles wurde erledigt.“

„Es gab viel Arbeit mit der Wäsche“, berichtet Marija. Die Kleidung wusch man in einem Bottich, einem großen Korb. „Der Bottich ist oben breiter und unten schmaler. An seinen Seiten sind gleichmäßig Löcher angebracht. Oben, wo er mit dem Verschluss verbunden ist, befindet sich eine Öffnung für den Wassereinlass. Sobald Wasser in den Korb gelangt, rotiert der Bottich und die Wäsche im Inneren wird gedreht und ausgespült. Die vorhandenen Löcher ermöglichen Luftzufuhr und ziehen den Schmutz aus dem Spülgut (z.B. Decken, Filzstoffe), was der Wäsche den frischen Duft von Wasser verleiht. Daneben wurde die Wäsche auch manuell auf dem Waschbrett gerieben. Früher dämpften wir unsere Wäsche vor dem Waschen, wie beispielsweise Bettlaken und Küchentücher. Zuerst wurde die Wäsche in warmem Wasser mit Seife gerieben und gewaschen. Anschließend wurde der durchlöcherte Bottich aufgestellt. Daraufhin gab man zuerst die Lauge und dann die Asche hinein. Anschließend goss man es ein: zuerst mit lauwarmem Wasser, dann mit heißem und zum Schluss mit kochendem. Diesen Vorgang wiederholt man etwa vier bis fünf Mal und dann bleibt alles bis zum nächsten Morgen stehen. Morgens wird dann die Lauge abgelassen und die Wäsche im Wasser gewaschen. Die Wäsche wird aufgehängt.“ Marija erzählt: „Die Wäsche war so weich und roch so gut, dass es eine wahre Freude war.“ Sie erwähnt auch, dass sie eine Zeit lang in der Schulküche beschäftigt war. Für eine Weile setzte sie mit der Arbeit aus, weil sie sich um ihre Kinder kümmern musste. „Niemand konnte auf meine Kinder aufpassen. Ich konnte erst wieder in der Schule arbeiten, nachdem ich meine Kinder großgezogen hatte“, erzählt Marija mit einem Anflug von Wehmut.

 

Traditionelle Proja, Roggen- und Weißbrot

„Die Frau war für die Küche zuständig. Früher wurde hauptsächlich Proja gegessen“, erzählt uns Marija. „Die Proja besteht aus sämtlichen Getreidesorten: also Weizen, Mais, Korn, Gerste, Dinkel und Roggen. Man braucht sechs Getreidesorten dafür; am meisten Mais und Weizen und von den anderen kommt dann immer ein wenig dazu. Alles wird miteinander vermengt. Der Teig wird mit etwas Salz und abgekochtem Wasser geknetet. Man gibt keine Hefe dazu. Der Teig wird mit der Hand geknetet. Das dauert, weil das Wasser schrittweise dazugegeben wird und man so lange knetet, bis der Teig fest wird. Sobald die Konsistenz stimmt, wird der Teig von Hand bearbeitet und die Proja zum Backen in den Ofen gegeben. Je nach Dicke wird die Proja bis zu drei Stunden gebacken. Man knetete sie früher immer sehr dick. Jetzt wird die Proja dünn geknetet und sie wirkt wie eine Pogatscha. Das ist keine echte Proja.“

„Neben der Proja stand auch Roggenbrot auf dem Tisch, das mit Weizen verfeinert war. Das Roggenbrot knetet man etwas fester, ansonsten wird es aber genauso zubereitet wie Weizenbrot“, berichtet Marija und ergänzt, dass auch Weißbrot auf den Tisch kam. „Auch damit gab es viel zu tun. Doch dieses Brot besitzt einen Duft und Geschmack, den man nicht vergisst. Die traditionelle Brotherstellung sah so aus: Man gibt das gewünschte Maß an Mehl (ein halbes oder ein Kilo) in ein Gefäß, fügt Hefe und Salz hinzu und knetet die Masse mit warmem, lauwarmem Wasser. Den Teig kann man kurz klopfen und ihn anschließend gehen lassen. Dann wird er auf ein bemehltes Brett oder den Tisch gelegt, nochmals kurz durchgeknetet und in eine gut eingefettete Backform gegeben, damit das Brot aufgehen kann. Sobald das Brot aufgegangen ist, teilt man es in der Mitte und backt es. Zum Repertoire jeder Hausfrau gehörten auch die Backwaren masnica, uštipci und žličnjaciŽličnjaci („žlica“ = ‚Löffel‘) werden mit einem Löffel zubereitet. Man gab damals Fett hinein; Butter gab es nicht. Man benötigt etwas Schmalz, Salz, Zucker, Eier und Hefe. Der Teig soll nicht fest, sondern eher etwas dünnflüssiger sein. Anschließend backt man sie mit einem Löffel in Schmalz.

Uštipci und masnica waren die häufigsten Speisen. „Die meisten uštipci wurden aus Brotteig zubereitet, aber es gab auch eine Version, die mit Rahm, Eiern und Hefe zubereitet wurde. Diese waren etwas feiner, doch üblicherweise macht man sie aus Brotteig. Für masnica gibt man Salz, eine kleine Menge Hefe und ein bisschen Öl hinzu, aber nicht zu viel. Ich gebe gar keine Eier hinzu. Man mischt alles mit lauwarmem Wasser und knetet es gründlich, damit der Teig eher weicher als zu hart wird. Anschließend lässt man den Teig eine Zeit lang stehen. Dann breitet man den Teig aus, legt den Rahm, Käse oder andere Füllungen darauf und verteilt die verquirlten Eier darüber. Anschließend rollt man alles zusammen und ab in den Ofen.“

Marija sagt, dass es schwere Zeiten waren. Auch im hohen Alter schwelgt Marija aber gerne in Erinnerungen an die fröhlichen Stunden, mit Tamburica und Gesang, vor allem beim Federrupfen und Maiskolbenschälen. „In Slunj und Rastoke war es nicht anders: Wir besuchten uns gegenseitig und verbrachten Zeit miteinander. Es gab eine bunte Vielfalt an Liedern. Genauso wie jetzt. Auch heute wird gesungen: „Golubice bijela što si nevesela… (‚Weiße Taube, was bedrückt dich…‘)”.